Seitdem wir Eltern geworden sind und uns die Kindererziehung und den Haushalt teilen, hat der Großteil der Gesellschaft meinen Mann und mich in zwei ganz eindeutige Schemata gesteckt:
Ich - die böse, arbeitende Mutter, der immer wieder Fragen wie: "wo ist denn dein Kind? Wer passt auf dein Kind auf? So lange fährst du auf Fortbildung und lässt dein Kind alleine?" gestellt werden.
Mein Mann - der Held. Wenn er mal vier Tage durchgehend über Nacht auswärts ist, wird das nicht einmal eines Kommentares gewürdigt. Wenn er vier Tage snowboarden mit Freunden fährt wird das höchstens mit einem "ja, ds hat er sich wohl verdient" quitiert.
Ich sehe das nicht ganz so. Genaugenommen kann ich nicht einmal ansatzweise nachvollziehen, warum man einen Mann und Vater gerade zu huldigt und verehrt, nur weil er seinen Part der Partnerschaft und Kindererziehung übernimmt. Warum man ihm eine Auszeit zugesteht, wenn eine Frau jedoch mal "zur Erholung" mit Freundinnen wegfährt, sie sich fast immer und überall rechtfertigen muss. Oder sich von selbst rechtfertigt.
Die Rollenverteilung in Österreich sieht nun mal nicht vor, dass eine Mutter auch eine Frau mit Bedürfnissen jenseits der Kindererziehung ist. Leider scheint es, als sehen in Österreich und Deutschland die Menschen es immer noch als ungewöhnlich an, wenn sich Männer ganz selbstverständlich an Hausarbeit und Erziehung beteiligen.
Die Huldigung von selbständigen Männern, welche ihre Verantwortung zu Hause schlichtweg wahrnehmen, nimmt teilweise drastische Formen an. Im Supermarkt werden sie beglückwünscht, wenn sie mit dem Nachwuchs einkaufen gehen, auf dem Spielplatz, obwohl Männer hier nicht mehr ganz so eindeutig zu den Exoten zählen, werden sie neugierig beäugt und von (meiner Meinung nach frustrierten) (Haus-)Frauen umgarnt.
Da stellt sich mir die Frage: Wann wurde denn eine Frau jemals auf ein Podest gehoben, weil sie zwei Ladungen Waschmaschinen gewaschen, Essen gekocht und das Kind ins Bett gebracht hat? Wann hat man Frauen jemals Rosen gestreut, weil sie das Kind vom Kindergarten abholt oder dreißig Stunden statt Vollzeit arbeitet?
Richtig. Nie. Es ist selbstverständlich. Auch für die meisten Frauen.
Hat sich mal jemand überlegt, was für einen Keil das eigentlich zwischen ein Paar treiben kann, wenn einer immer das große Lob einheimst während der andere dafür genau null Anerkennung bekommt . Wohlgemerkt für die gleiche Sache.
Man kann es irgendwann nicht mehr hören und die Stimmung heizt sich auf. Erst neulich wieder wurde mir gesagt: "hach, du hast ja so ein Glück mit deinem Mann, der geht auch mal raus mit dem Kleinen und macht was im Haushalt. Von alleine. Davon kann ich nur träumen."
Liebe Frauen die ihr so denkt, hier mal ein kurzes Statement dazu:
Ihr seid zum großen Teil selbst Schuld an der Misere.
Zum ersten: dann sucht euch von Anfang an einen Mann, der sich zu gleichen Teilen und vor allem VON SELBST (bevor das Kind da ist) an der normalen Hausarbeit beteiligt. Wer jetzt sagt, von denen gibt es wenige: stimmt nicht. Man muss sie nur lassen und ihnen nicht ständig reinreden. Wenn mir immer einer reinredet, dass er etwas besser kann, kapituliere ich auch irgendwann und lass es ihn selbst machen.
Zweitens: redet VOR der Kinderzeugung über eure Vorstellungen des gemeinsamen Lebens. Wenn das kleine Baby mal da ist, bleibt keine Zeit dafür.
Drittens - auch wenn ich mich wiederhole: Lasst die Männer doch einfach machen. Sie wollen zum Großteil von ganz alleine Teil des Ganzen sein! Wie oft habe ich schon erlebt, dass Frauen die Männer gar nicht lassen!
Da hört man unter anderem von getrennten Betten, damit der Partner schlafen kann.
Geht's noch? Man mag mich streng nennen, auch gemein hab ich schon gehört. Aber zum Kinder-zeugen gehören zwei, warum sollte dann plötzlich nur mehr eine die ganze Arbeit haben? Und ja: Kinder erziehen ist Arbeit. Für beide. Punkt.
Ich höre schon die Argumentation: ja, aber der muss ja fit sein für die Arbeit!
Ach ja, und die Frau, die beim Baby zu Hause bleibt, kann sich erlauben, übermüdet und entkräftet zu sein? Sie hat ja "nur" die Verantwortung für ein kleines Lebewesen?
Nein, natürlich ist der Job da wichtiger.....Wehe eine arbeitende Frau würde sich selbst aus dem Schlafzimmer ausquartieren, damit sie zur Ruhe kommt. Ach ja, stimmt. Frauen machen das normalerweise nicht.
Da kann ich nur den Kopf schütteln.
Mein schlichtes Plädoyer: liebe Frauen, bevor ihr euch ständig beschwert, dass euer Mann dieses und jenes nicht macht, dass er sich die Frechheit heraus nimmt und ins Fitnessstudio geht, überlegt euch doch lieber mal, wann ihr das letzte Mal etwas nur für euch gemacht habt. Und dann tut es. Und lasst den Mann mit Kind alleine. Nicht nur eine STunde. Einen Tag, ein paar Tage, eine Woche. Männer können das. Meistens besser als wir glauben.
Und wenn ihr das nicht schafft: dann hört doch wenigstens auf, euch darüber zu beschweren. Die Kraft etwas zu verändern liegt immer in einem selbst.
Abgeschlossenes Studium, guter Job, und dann die Entscheidung: jetzt ein Kind. Wir sind ein "modernes Paar", welches sich entschlossen hat, traditionelle Rollenklischees aufzubrechen und es anders zu machen. Unsere gemeinsame turbulente Reise beginnt in der Schwangerschaft, die entgegen allen Klischees nicht immer wunderbar war, bis hin zu Verständnislosigkeit in der Gesellschaft, wenn man sich für gemeinsame Verantwortung statt klassischer Mutter-daheim, Vater-arbeitend entscheidet.
Donnerstag, 31. März 2016
Sonntag, 13. September 2015
Mommy-Wars oder auch Schwiegermama-Wars
Es ist ja fast schon zu abgedroschen, Konflikte mit der Schwiegermutter zu haben. Aus Erzählungen von Freunden und Bekannten kenne ich ja nur zwei voll gültige Varianten:
a) wir reden gar nicht miteinander/haben den Kontakt abgebrochen/gehen uns aus dem Weg und
b) ich habe so ein Glück solch eine tolle Schwiegermama zu haben.
So weit so gut. Bis zur Geburt unseres Sohnes dachte ich, ich gehöre wenn dann am ehesten zur zweiten Gruppe, was sich nach der Geburt rasch relativierte und momentan einem neuen Höhepunkt zusteuert.
Schwiegermama, wir wollen sie hier mit Schwimu abkürzen, hat eine ganz andere Sozialisation und damit Kindheit und eigentlich überhaupt Leben erfahren. Und obwohl es immer wirkte als wäre sie ganz zufrieden mit der Wahl ihres Sohnes mich als Ehefrau zu erwählen, scheint sich das Blatt nun zu wenden.
Gestern wurde mir, und eigentlich ALLEN arbeitenden Müttern, vorgeworfen, dass wir dadurch, dass wir nicht zu Hause bleiben, die Selbstaufgabe derer, die in den 80er und 90er Jahren nur für ihre Kinder da waren, verhöhnen und ausspotten und klein machen.
Da haben wir es also wieder. Nicht nur bin ich schuld, wenn sich Mütter meiner Generation schlecht fühlen, weil sie mit ihrem Studium nach Geburt des ersten Kindes nichts mehr anfangen und sich zur Hausfrau entscheiden, nein, ich bin jetzt für die Tränen und das "sich-unwichtig-fühlen" der Generation davor auch noch schuld.
Na bravo.
Als würde der regelmäßige Klaps auf den Hinterkopf vom Staat Österreich, fast allen Bekannten und der Gesellschaft im Allgemeinen nicht schon ausreichen.
Meine Mutter kommentiert sowas dann immer lapidar mit: die sind am Land aufgewachsen, haben keine Wahl gehabt, können nicht anders, meinen es auch nicht böse.
Das mag so sein. Das mag so stimmen. Manche Menschen hatten keine Wahl.
Ich weiß das, ich muss über das nicht ständig nachdenken, mich schlecht fühlen oder vielleicht deshalb meine Entscheidungen an die ERlebnisse der anderen anpassen. UNd überhaupt, wieso immer ICH? Es war nicht MEINE Entscheidung, es war UNSERE Entscheidung. In der heutigen Zeit gibt es Gott sei Dank immer mehr Männer die begreifen, dass zum Vater sein mehr dazu gehört als nur SPrema abzuliefern und nach 8 Jahren dann mal auf einen Zelt-Ausflug zu fahren.
WIR haben uns bewusst entschieden. Und das geht niemanden etwas an.
Ich habe es schon so satt, mich ständig rechtfertigen zu müssen. Mir, wie gestern auch, anhören zu müssen, dass ich als arbeitende Mutter schuld bin, wenn, und ich zitiere "die Arbeit im Land ausgeht weil die Frauen jetzt alle arbeiten gehen", "die Kinder kein Bitte, Danke und Guten Tag, Auf Wiedersehen mehr kennen", "die Kindererziehung keine Wertschätzung mehr erlebt", "die Kinder abgeschoben werden und dann nur noch vor dem TV sitzen".
Ich mag nicht mehr, ich kann nicht mehr.
Wir reißen uns tagtäglich den Arsch auf, um unserem Sohn eine schöne Kindheit zu verschaffen. Mit allem was dazu gehört. Positivem und Negativem. Ja, wir setzen Grenzen, ja wir kuscheln im Bett, ja, wir essen IMMER gemeinsam, ja, Mama geht mal aus, Papa geht mal aus, und ja, verdammt noch mal, wir gehen auch mal gemeinsam als PAAR und nicht als ELTERN aus, fahren auf Urlaub und Kind darf bei Oma bleiben.
Und wisst ihr was? Es tut uns gut, und damit tut es unserem Sohn gut! Er ist ein kleines glückliches Energiebündel, der genau weiß, dass wir auch mal für kurze Zeit weg sind, aber das es andere Menschen gibt, die ihn lieben und sich um ihn kümmern. Er weiß, dass MAma und Papa wieder kommen und dann ausgeglichener und glücklicher sind.
Und wir wissen, wir entscheiden uns für all das bewusst. WIr haben uns bewusst entschieden, dass auch mein Mann eine Zeit Kinderzeit nimmt, weil wir wussten, dass ich zutiefst unglücklich wäre, wenn ich nicht arbeiten dürfte und könnte, und damit eine zutiefst frustrierte Mutter wäre - was wahrlich nicht gut fürs Kind ist. Und mein Mann wäre zutiefst unglücklich, hätte er nicht die Gelegenheit bekommen, eine zeitlang bei unserem Sohn zu bleiben.
Es ist wie es ist.
Bitte nicht falsch verstehen. Ich will keine Lanze für alle arbeitenden Mütter brechen. Aber ich habe es satt, unser Konzept ständig verteidigen zu müssen. Es mag Frauen und Familien geben, deren Weg es ist, trotz jahrelanger guter Ausbildung 5 oder mehr Jahre beim Kind zu bleiben. Deren Männer plötzlich nur mehr Überstunden machen "wegen dem Geld" (da fragt isch im übrigen niemand, ob das evenutell Auswirkungen auf das Kind hat. Fremdeln dem Vater gegenüber gehört ja offenbar auch schon wieder zum guten Ton); wo Frau sich "Nicht vorstellen kann auch nur eine Minute getrennt von ihrem Baby zu sein", und die glauben, dass der einzige Weg zu kindlicher Zufriedenheit die permanente Anwesenheit der Mutter ist. Bitte tut das, bitte macht das.
Aber macht uns nicht verantwortlich für eure Selbstwertmangel, eure fehlende Anerkennung und die fehlende Unterstützung.
Lasst uns unseren Lebensweg gehen, und zwar endlich einmal fernab der dummen, verletzenden und unwahren Kommentare und Weisheiten.
Ein Arbeitskollege meinte mal, "das sind alles Hausfrauen- und Küchenfliesenweisheiten". Mag abwertend klingen, aber mittlerweile sehe ich das genauso.
Punkt.
a) wir reden gar nicht miteinander/haben den Kontakt abgebrochen/gehen uns aus dem Weg und
b) ich habe so ein Glück solch eine tolle Schwiegermama zu haben.
So weit so gut. Bis zur Geburt unseres Sohnes dachte ich, ich gehöre wenn dann am ehesten zur zweiten Gruppe, was sich nach der Geburt rasch relativierte und momentan einem neuen Höhepunkt zusteuert.
Schwiegermama, wir wollen sie hier mit Schwimu abkürzen, hat eine ganz andere Sozialisation und damit Kindheit und eigentlich überhaupt Leben erfahren. Und obwohl es immer wirkte als wäre sie ganz zufrieden mit der Wahl ihres Sohnes mich als Ehefrau zu erwählen, scheint sich das Blatt nun zu wenden.
Gestern wurde mir, und eigentlich ALLEN arbeitenden Müttern, vorgeworfen, dass wir dadurch, dass wir nicht zu Hause bleiben, die Selbstaufgabe derer, die in den 80er und 90er Jahren nur für ihre Kinder da waren, verhöhnen und ausspotten und klein machen.
Da haben wir es also wieder. Nicht nur bin ich schuld, wenn sich Mütter meiner Generation schlecht fühlen, weil sie mit ihrem Studium nach Geburt des ersten Kindes nichts mehr anfangen und sich zur Hausfrau entscheiden, nein, ich bin jetzt für die Tränen und das "sich-unwichtig-fühlen" der Generation davor auch noch schuld.
Na bravo.
Als würde der regelmäßige Klaps auf den Hinterkopf vom Staat Österreich, fast allen Bekannten und der Gesellschaft im Allgemeinen nicht schon ausreichen.
Meine Mutter kommentiert sowas dann immer lapidar mit: die sind am Land aufgewachsen, haben keine Wahl gehabt, können nicht anders, meinen es auch nicht böse.
Das mag so sein. Das mag so stimmen. Manche Menschen hatten keine Wahl.
Ich weiß das, ich muss über das nicht ständig nachdenken, mich schlecht fühlen oder vielleicht deshalb meine Entscheidungen an die ERlebnisse der anderen anpassen. UNd überhaupt, wieso immer ICH? Es war nicht MEINE Entscheidung, es war UNSERE Entscheidung. In der heutigen Zeit gibt es Gott sei Dank immer mehr Männer die begreifen, dass zum Vater sein mehr dazu gehört als nur SPrema abzuliefern und nach 8 Jahren dann mal auf einen Zelt-Ausflug zu fahren.
WIR haben uns bewusst entschieden. Und das geht niemanden etwas an.
Ich habe es schon so satt, mich ständig rechtfertigen zu müssen. Mir, wie gestern auch, anhören zu müssen, dass ich als arbeitende Mutter schuld bin, wenn, und ich zitiere "die Arbeit im Land ausgeht weil die Frauen jetzt alle arbeiten gehen", "die Kinder kein Bitte, Danke und Guten Tag, Auf Wiedersehen mehr kennen", "die Kindererziehung keine Wertschätzung mehr erlebt", "die Kinder abgeschoben werden und dann nur noch vor dem TV sitzen".
Ich mag nicht mehr, ich kann nicht mehr.
Wir reißen uns tagtäglich den Arsch auf, um unserem Sohn eine schöne Kindheit zu verschaffen. Mit allem was dazu gehört. Positivem und Negativem. Ja, wir setzen Grenzen, ja wir kuscheln im Bett, ja, wir essen IMMER gemeinsam, ja, Mama geht mal aus, Papa geht mal aus, und ja, verdammt noch mal, wir gehen auch mal gemeinsam als PAAR und nicht als ELTERN aus, fahren auf Urlaub und Kind darf bei Oma bleiben.
Und wisst ihr was? Es tut uns gut, und damit tut es unserem Sohn gut! Er ist ein kleines glückliches Energiebündel, der genau weiß, dass wir auch mal für kurze Zeit weg sind, aber das es andere Menschen gibt, die ihn lieben und sich um ihn kümmern. Er weiß, dass MAma und Papa wieder kommen und dann ausgeglichener und glücklicher sind.
Und wir wissen, wir entscheiden uns für all das bewusst. WIr haben uns bewusst entschieden, dass auch mein Mann eine Zeit Kinderzeit nimmt, weil wir wussten, dass ich zutiefst unglücklich wäre, wenn ich nicht arbeiten dürfte und könnte, und damit eine zutiefst frustrierte Mutter wäre - was wahrlich nicht gut fürs Kind ist. Und mein Mann wäre zutiefst unglücklich, hätte er nicht die Gelegenheit bekommen, eine zeitlang bei unserem Sohn zu bleiben.
Es ist wie es ist.
Bitte nicht falsch verstehen. Ich will keine Lanze für alle arbeitenden Mütter brechen. Aber ich habe es satt, unser Konzept ständig verteidigen zu müssen. Es mag Frauen und Familien geben, deren Weg es ist, trotz jahrelanger guter Ausbildung 5 oder mehr Jahre beim Kind zu bleiben. Deren Männer plötzlich nur mehr Überstunden machen "wegen dem Geld" (da fragt isch im übrigen niemand, ob das evenutell Auswirkungen auf das Kind hat. Fremdeln dem Vater gegenüber gehört ja offenbar auch schon wieder zum guten Ton); wo Frau sich "Nicht vorstellen kann auch nur eine Minute getrennt von ihrem Baby zu sein", und die glauben, dass der einzige Weg zu kindlicher Zufriedenheit die permanente Anwesenheit der Mutter ist. Bitte tut das, bitte macht das.
Aber macht uns nicht verantwortlich für eure Selbstwertmangel, eure fehlende Anerkennung und die fehlende Unterstützung.
Lasst uns unseren Lebensweg gehen, und zwar endlich einmal fernab der dummen, verletzenden und unwahren Kommentare und Weisheiten.
Ein Arbeitskollege meinte mal, "das sind alles Hausfrauen- und Küchenfliesenweisheiten". Mag abwertend klingen, aber mittlerweile sehe ich das genauso.
Punkt.
Dienstag, 7. Juli 2015
Offener Brief zur Betreuungsituation in Österreich
Liebe Fr. Karmasin,
gleich vorweg möchte ich
sagen, dass ich Ihre Bemühungen und Ihre Arbeit prinzipiell nicht schlecht
finde. Frischer Wind hat im Familienministerium gefehlt, den bringen Sie
hinein.
Leider habe ich oftmals das
Gefühl, dass Sie und Ihr Projektteam etwas an der Realität von
Otto-Normal-Verbraucher/in vorbei agieren. Viele Problemlagen und
Herausforderungen, mit denen sich „neue“ Eltern herumschlagen müssen, finden in
Ihren Programmen keine Erwähnung. Vielleicht, weil niemand von Ihnen und Ihren
Mitarbeiter/innen betroffen ist/war, vielleicht weil es Ihnen einfach
nicht bewusst ist.
Wir sind eine kleine
Familie. Unser Sohn ist 13 Monate alt, ich war acht Wochen im Mutterschutz, die
Karenz teilen sich mein Mann und ich: er nahm zehn Monate, ich zwei. Wir haben
uns für das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld entschieden – über die
Probleme die wir damit hatten und haben will ich gar nicht erst anfangen. Das
war eigentlich die erste „Watschn“. Nicht nur, das mein Anteil gleich mal
falsch berechnet wurde, ich durfte mich dann auch noch schief anschauen lassen,
weil ich nur zwei Monate Karenz konsumierte und mein Mann den größeren Teil.
Österreich eben.
Wie Sie also unschwer
erkennen können, bin ich berufstätig (mit 30 Stunden/Woche), mein Mann steigt
nach der Karenz ebenso wieder mit 30 Stunden pro Woche ein. Wir teilen uns
alles: die Kindererziehung, den Haushalt. Diskussionen wer die Wäsche wäscht
und den Geschirrspüler ausräumt gibt es nicht. Es ist selbstverständlich, dass
wir gleichwertige Partner/innen sind. Quasi das von den Medien und Ihnen
propagierte „Ideal“, nachdem es ja mittlerweile zahlreiche Studien gibt die
belegen, dass selbst in Akademiker/innen-Haushalten die Frauen nach der Geburt
des Kindes unvermittelt ihre Gleichberechtigung aufgeben und plötzlich ganz
Hausfrau sind. Nicht so bei uns. Gleichberechtigung Hurra.
Unser Sohn wurde mit Juni,
als er 1 Jahr alt war, in die Kindergruppe eingewöhnt. Ohne Probleme
wohlgemerkt, er liebt es dort und ist MO bis FR bis 13 Uhr dort gut aufgehoben.
Gott sei Dank, denn eine Auswahl an Kinderbetreuungsmöglichkeiten für Kinder unter
3 Jahren gibt es bei uns im Bezirk Melk bzw. St. Pölten Land so gut wie nicht.
Man muss nehmen was man kriegt. Das war eigentlich die zweite „Watschn“. Über
Betreuungsschlüssel bzw. Empfehlungen von Expert/innen dahingehend schaut man
ja dann gleich mal hinweg, denn wenn wir darauf Wert gelegt hätten, wäre es das
auch schon wieder gewesen mit Kinderbetreuung.
Als uns schließlich
vorgerechnet wurde, wie viel wir für die Betreuung zahlen müssen, wurde uns
schwindelig. Wir haben zwar beide ein oder mehrere Studien abgeschlossen, das
garantiert in der heutigen Zeit jedoch noch lange kein 1a Gehalt. Das war also
dann „Watschn“ Nr. 3 dafür, dass wir
beide, und ich als Mutter im Speziellen, gerne arbeiten gehen: €285,- pro
Monat, unflexibel gestaltet, wir zahlen in Wahrheit 5 Stunden zu viel, anders
geht es aber nicht, da die Kindergruppe „nun mal nur Pauschalen ab 7 Uhr
anbietet“.
„Watschn“ Nr. 4 kam dann
heute morgen, nachdem uns klar gemacht wurde, dass die Pauschale von € 285,-
für unseren Sohn nicht mehr zutrifft, da er ja teilweise länger schläft (15-30
Minuten, also bis 1315-1330Uhr) und damit die nächst höhere Pauschale von
€325,- fällig wird. Das wir die Betreuung ja eigentlich erst ab 8 Uhr brauchen,
ist allen egal, denn wie gesagt: es gibt nur Pauschalen ab 7 Uhr.
Dass Sie diesbezüglich
nicht zur Rechenschaft gezogen werden können und sollen, ist uns klar. Jedoch
ist das Fass nun zum Überlaufen voll, und daher dieser „Bericht“, diese
Stellungnahme an Sie.
Es wird propagiert, die
Väter sollen doch in Karenz gehen, Frauen wieder zurück in den Job, die
Flexibilität lebe hoch, alle die dies so umsetzen, sind Vorbilder und sollten
Werbung dafür machen.
Ganz ehrlich? Wir warten
verzweifelt auf den „Schulterklopfer“, auf die Belohnung, die Bestätigung dass
wir „toll“ sind und es richtig machen. Denn bisher wurden wir Länge mal Breite
nur bestraft.
Förderungen für die
Kinderbetreuung sind nur für Menschen mit wenig Einkommen und vielen Kindern
vorgesehen. Die maximale Höhe an Einkommen liegt in NÖ bei €2400,- NETTO zu
ZWEIT für 1 Kind. Bei aller Liebe, das hat man schnell, und wenn man es nicht
schnell hat, braucht man auch keine Kinderbetreuung weil dann die Mama sowieso
daheim bleibt.
Setzt man sein Kind einer
Gefährdung aus bzw. sieht das Jugendamt es für notwendig an, dass die Kinder
auch mal aus der Familie in eine Betreuung kommen, dann wird dies
selbstverständlich vom Staat gezahlt.
Das wir unser Kind gut versorgen, nicht misshandeln und das Beste für ihn wollen, das wird in Österreich nicht belohnt. Wir dürfen den vollen Preis bezahlen. Denn, ja, wenn wir das nicht wollen, dann „bleib eben beim Kind“.
Das wir unser Kind gut versorgen, nicht misshandeln und das Beste für ihn wollen, das wird in Österreich nicht belohnt. Wir dürfen den vollen Preis bezahlen. Denn, ja, wenn wir das nicht wollen, dann „bleib eben beim Kind“.
Da sind wir dann auch schon
beim nächsten Punkt, den man viel zu oft hört: wenn du unzufrieden bist, dann
bleib eben daheim: Ein Kind gehört ohnehin zu seiner Mutter.
Das sich Frauen, die nach
kurzer Babypause wieder in den Beruf zurück wollen, ein dickes Fell wachsen
lassen müssen, davon redet in der Politik auch keiner. Die Anfeindungen, die
unterschwelligen Angriffe und die Vorwürfe, die man sich von 75% der
Gesellschaft anhören muss, dazu nimmt keiner Stellung. Wie belastend das ist
und sein kann, davon will auch keiner etwas wissen.
Schulterklopfer gibt es
maximal für die paar Väter, die 2 Monate zu Hause bleiben, schiefe Blicke und
Kopf schütteln hagelt es in den meisten Fällen für die Mütter. Ich weiß wovon
ich rede, wir „leben diesen Traum“.
Was genau ich nun will,
liebe Frau Karmasin?
Wir mögen Sie. Wir finden
Ihre Ansätze gut.
Aber wie wäre es mit etwas
mehr „bottom-up“ anstatt „top-down“? Stellen Sie sich doch ein Team aus
Menschen zusammen, die die Probleme, von denen wir hier sprechen, kennen und
damit „lebensnahe und authentische“ Projekte in Angriff nehmen können.
Außerdem hätten wir gerne
ein bisschen Anerkennung. Dafür, dass wir trotz der unzähligen Steine, die uns
in den Weg gelegt werden, auf unserem Weg beharren und uns nicht abbringen
lassen. Dafür, dass wir in Wahrheit fast schon in die Falle „working-poor“ tappen,
u.a. damit die Gleichberechtigung in der Partnerschaft erhalten bleibt und auch
der Papa zu seinem Recht kommt: nämlich Zeit mit seinem Sohn zu verbringen.
Gestalten Sie doch eine
Kampagne mal so, wie es ist: Väter sollen nicht in Karenz gehen weil es
„schick“ ist oder für „Gleichberechtigung“ sorgt. Nein, sie sollen ohne
Probleme in Karenz gehen können, weil es IHR RECHT IST als Vater, und es das
Recht der Mutter ist, wieder in einen Beruf einsteigen zu können.
Liebe Fr. Karmasin, ich bin
auf Ihre Reaktion gespannt, und habe tatsächlich die kleine Hoffnung, dass
dieser offene Brief nicht in der Versenkung verschwindet.
Mit den besten Grüßen
Freitag, 3. Juli 2015
Die schlechte Mutter
Mehr als ein Jahr ist vergangen, seit dem wir das spannende Abenteuer "Elternschaft" begonnen haben. Unzählige Dinge sind passiert: lustige, traurige, erstaunliche, wunderbare, unbeschreibliche Dinge.
Zeit für mich, einmal kurz inne zu halten, das Jahr Revue passieren zu lassen und zu einem einzig logischen Schluß zu kommen: ich bin eine schlechte Mutter.
Ja, das ist so.
Warum? Nun ja, wenn ich mir all die zahllosen Kommentare, Postings, unterschwellig angebrachte Kritik oder auch offen ausgesprochene Meinungen zu unserem Leben zu Herzen und damit ganz ernst nehme, ja, dann bleibt kein anderer Schluß als der, dass ich eine schlechte Mutter bin.
Warum nicht schlechte Eltern?
Nun, ihr müsst wissen, als Mama hat man eine ganz spezielle Rolle über. Als Vater ist man da ein bißchen außen vor. Da bekommt man Schulterklopfer und ein "Toll, dass du das alles machst" wenn du einmal Windel wechselst und/oder Wäsche wascht. Das ist als Frau und Mutter ja quasi Grundvoraussetzung.
Wenn dein Kind mit einem Jahr in die Kindergruppe eingewöhnt wird sagt keiner: "Ach, weil ihr beide arbeitet."
Nein.
Stattdessen: "Ach, ja, die Mutter, die wollte unbedingt wieder arbeiten. Jaja, in der heutigen Zeit, da darf man ja nicht einmal mehr ein paar Jährchen beim Kind bleiben, eine Schande ist das."
Auch so ein Klassiker: die Schuld hat, egal wie man es dreht und wendet, am Ende immer die Mutter.
Alle "Profis" (=Menschen mit Kindern) wissen: ein Lebensjahr, manchmal sogar ein Lebensmonat eines Kindes ist von Phasen geprägt. Einmal bleibt er/sie ganz ruhig liegen beim Wickeln, fast schon veträumt, einmal kann man ihn/sie nicht einmal mehr wirklich ausziehen weil das kleine Energiebündel einfach wichtigeres zu tun hat als die bis zum Rand vollgeschissene Windel entfernt zu bekommen. "Keine Zeit Mama". Hach, wenn sie doch mit einem Jahr schon volle Sätze sagen könnten.....
Jedenfalls. Phasen.
Unserer wechselt sich ab in Mama- und Papaphasen. Einmal ist Papa das einzige was Kind braucht, einmal Mama. Wir als Eltern sehen das mittlerweile ziemlich gelassen. So ist das halt. Nach einer mehrwöchigen "Nur-Papa" Phase folgte bislang immer eine mehrwöchige "Nur-Mama" Phase. Dazwischen manchmal sogar eine "ihr-seid-eh-beide-gleich-wichtig" Phase.
Das man sich als Eltern damit arrangiert heißt aber nicht, dass die Umwelt das auch tut. Im Gegenteil. Jede Phase wurde und wird genau unter die Lupe genommen, analysiert und dann ausgewertet. Ergebnis: dreimal dürft ihr raten.
Ja richtig! Man ist eine schlechte Mutter.
Zitat: "Naja, eh klar dass er gerade so an der Mama hängt. Was man so selten hat, das will man halt dann die ganze Zeit wenn es endlich mal da ist."
Zitat drei Monate davor, Papa-Phase: "Naja, eh klar dass er so am Papa hängt. Die Mama ist ja nie daheim."
Man sieht: als arbeitende Frau und Mutter hat man immer die Arschkarte.
Da nutzen auch nett gemeinte Ratschläge des Ehegatten "Ach komm, die wissen es halt nicht besser" (mit einem süffisanten Grinser untermalt, da er ja wieder mal der Held ist) nichts. Ehestreit ist in diesem Kommentar-Paket übrigens gratis mit dabei.
Ich liebe ja meine beste Freundin für ihre immer wieder passenden Kommentare in Anwesenheit diverser Familienmitglieder, für welche die Tatsache, dass Mama arbeiten geht ja eigentlich für eine schwere Sinnkrise sorgt und gänzlich unverständlich ist.
Zitat auf den Kommentar, dass 1-jähriges Kind von uns noch keinen Zucker bekommt und die damit einhergehende Unverständnis sämtlicher anwesender Omas:
"Naja, dass du eine schlechte Mutter ist wissen wir ja eh schon lange. **Augenzwinkern** ".
Die Stille am Tisch hätte man aufnehmen müssen. Genial. Unbezahlbar.
Sogar meinem Mann kam ein Grinser aus.
Aber das schlechte-Mama-Sein beginnt ja schon bei der Geburt.
Ich habe ja leider die Angewohnheit, sehr direkt, offen und ehrlich über solch einschneidene Erlebnisse wie eben eine Geburt zu sprechen. Zwar nur nach Aufforderung (ganz ehrlich, vor allen unter kinderlosen Freunden gibt es einfach viel bessere Geschichten), aber trotzdem. Spätestens seit dem letzten ehrlichen Bericht weiß ich: Ehrlichkeit kommt nicht gut an.
Und nein, es ging nicht um Schmerzen, Dammschnitte, Schreie, Blut oder sonstige Späße. Die simple Herausforderung war es, auf die Feststellung: "Hast dich auch ein solches Freuden- und Glücksgefühl durchströmt, als sie dir das Baby dann auf den Bauch gelegt haben?"
Die erwartete Antwort war offenbar:
"Ja, ich hab mich gar nicht eingekriegt vor lauter Glückshormonen und habe in diesem Moment endlich meine Bestimmung gefunden: Mutter zu sein, mein Kind zu nähren und nie wieder etwas anderes zu tun."
Die Wahrheit ist, und somit auch meine Antwort:
"Nein. Ich kann mich erinnern, dass mein Mann in Tränen ausgebrochen ist und ich, eigentlich untypisch unsensibel kommentierte: du weinst ja. "
Der war daraufhin empört und schluchzte vor Glück vor sich hin, während ich meinen Sohn auf meiner Brust liegen hatte und mir eigentlich gar nix dachte. Außer: wie geht das jetzt weiter? Werde ich genäht, wenn ja, wie, mit Narkose, ohne, wie lange muss ich noch hier liegen, eigentlich hab ich Hunger, und Durst, und will in ein richtiges Bett."
Ja, mit solchen Wahrheiten kann kaum einer umgehen. Die Welt erwartet ja quasi, dass man nach der Geburt vor lauter Freude zerspringt. Ich kann jetzt verstehen, dass Frauen die tatsächlich an einer postpartalen Depression leiden, sich nicht trauen, das jemandem anzuvertrauen und sich Hilfe zu holen. Zu hoch ist der Druck, eine "echte Mama" zu sein, und die ist man in den Augen der Gesellschaft halt nur, wenn man vor Glück zerspringt.
Ich hatte keine solche Depression. Ich bin auch nicht eiskalt. Ich konnte nur noch nie etwas mit kleinen Babys anfangen, habe nie verstanden warum man in fremde Kinderwägen reinfasst mit den Worten "ach ist der/die süüüüüüüüüüüüüüß".
Ich liebe meinen Sohn. Seit der ersten Minute. Aber die Wahrheit ist, dass ich die ersten Monate nicht vor Glück zerplatzt bin.
Ich war müde, ich war geschafft, ich war glücklich und zu Tode traurig. Ich habe gelacht, geweint, geflucht, geschrien, alleine auf der Couch geschlafen, nachts in der Küche alleine am Küchenboden gehockt und geweint, und als ich nicht mehr wollte, abgestillt.
So war das.
Ich bin eine schlechte Mutter.
Vorgestern hatte ich meinen exklusiven Sohnemann-und-Mama-Nachmittag. Er spielte selig vor sich hin, lief umher, dazwischen murmelte er Singe vor sich hin, sah mich immer wieder an. Dann kam er auf mich zu umarmte mich, legte seinen Kopf auf meine Schulter und hielt für 5 Sekunden in dieser Position inne. Ich habe ihn ebenso umarmt, ihm einen Kuß auf den Kopf gegeben und geflüstert: "ich hab dich so unendlich lieb und bin so stolz auf dich."
Noch bevor der Satz zu Ende gesprochen war, war er schon wieder auf und davon mit seinen Spielsachen spielen oder die Katze jagen, ich weiß es nicht mehr genau.
Was ich allerdings weiß: mir liefen Tränen die Wange runter und mein Herz ging mir auf.
Diese Liebe ist nicht erklärbar.
Vielleicht haben das manche Mütter bereits bei der Geburt. Vielleicht nach ein paar Wochen, vielleicht erst nach ein paar Jahren.
Fest steht: wir sind alle anders, unsere Empfindungen, unsere Erlebnisse, unsere Ängste, Sorgen und Hoffnungen. Und das ist gut so.
Und ich? Ich bin eine gute, nein, ich bin eine tolle Mutter.
Mein Sohn ist ein glücklicher kleiner Mann, der mit jedem Tag unabhängiger wird und seine Mama damit jeden Tag ein bißchen stolzer.
Ich möchte zum Abschluß einen ganz lieben Kollegen zitieren (war mit drei Kindern in Langzeitkarenz), der vor kurzem meinte:
"Also eigentlich kann man bei Kindern nicht viel falsch machen. Man muss sie einfach nur lieben, aber das tut man im Normalfall ja sowieso."
In diesem Sinn....
Zeit für mich, einmal kurz inne zu halten, das Jahr Revue passieren zu lassen und zu einem einzig logischen Schluß zu kommen: ich bin eine schlechte Mutter.
Ja, das ist so.
Warum? Nun ja, wenn ich mir all die zahllosen Kommentare, Postings, unterschwellig angebrachte Kritik oder auch offen ausgesprochene Meinungen zu unserem Leben zu Herzen und damit ganz ernst nehme, ja, dann bleibt kein anderer Schluß als der, dass ich eine schlechte Mutter bin.
Warum nicht schlechte Eltern?
Nun, ihr müsst wissen, als Mama hat man eine ganz spezielle Rolle über. Als Vater ist man da ein bißchen außen vor. Da bekommt man Schulterklopfer und ein "Toll, dass du das alles machst" wenn du einmal Windel wechselst und/oder Wäsche wascht. Das ist als Frau und Mutter ja quasi Grundvoraussetzung.
Wenn dein Kind mit einem Jahr in die Kindergruppe eingewöhnt wird sagt keiner: "Ach, weil ihr beide arbeitet."
Nein.
Stattdessen: "Ach, ja, die Mutter, die wollte unbedingt wieder arbeiten. Jaja, in der heutigen Zeit, da darf man ja nicht einmal mehr ein paar Jährchen beim Kind bleiben, eine Schande ist das."
Auch so ein Klassiker: die Schuld hat, egal wie man es dreht und wendet, am Ende immer die Mutter.
Alle "Profis" (=Menschen mit Kindern) wissen: ein Lebensjahr, manchmal sogar ein Lebensmonat eines Kindes ist von Phasen geprägt. Einmal bleibt er/sie ganz ruhig liegen beim Wickeln, fast schon veträumt, einmal kann man ihn/sie nicht einmal mehr wirklich ausziehen weil das kleine Energiebündel einfach wichtigeres zu tun hat als die bis zum Rand vollgeschissene Windel entfernt zu bekommen. "Keine Zeit Mama". Hach, wenn sie doch mit einem Jahr schon volle Sätze sagen könnten.....
Jedenfalls. Phasen.
Unserer wechselt sich ab in Mama- und Papaphasen. Einmal ist Papa das einzige was Kind braucht, einmal Mama. Wir als Eltern sehen das mittlerweile ziemlich gelassen. So ist das halt. Nach einer mehrwöchigen "Nur-Papa" Phase folgte bislang immer eine mehrwöchige "Nur-Mama" Phase. Dazwischen manchmal sogar eine "ihr-seid-eh-beide-gleich-wichtig" Phase.
Das man sich als Eltern damit arrangiert heißt aber nicht, dass die Umwelt das auch tut. Im Gegenteil. Jede Phase wurde und wird genau unter die Lupe genommen, analysiert und dann ausgewertet. Ergebnis: dreimal dürft ihr raten.
Ja richtig! Man ist eine schlechte Mutter.
Zitat: "Naja, eh klar dass er gerade so an der Mama hängt. Was man so selten hat, das will man halt dann die ganze Zeit wenn es endlich mal da ist."
Zitat drei Monate davor, Papa-Phase: "Naja, eh klar dass er so am Papa hängt. Die Mama ist ja nie daheim."
Man sieht: als arbeitende Frau und Mutter hat man immer die Arschkarte.
Da nutzen auch nett gemeinte Ratschläge des Ehegatten "Ach komm, die wissen es halt nicht besser" (mit einem süffisanten Grinser untermalt, da er ja wieder mal der Held ist) nichts. Ehestreit ist in diesem Kommentar-Paket übrigens gratis mit dabei.
Ich liebe ja meine beste Freundin für ihre immer wieder passenden Kommentare in Anwesenheit diverser Familienmitglieder, für welche die Tatsache, dass Mama arbeiten geht ja eigentlich für eine schwere Sinnkrise sorgt und gänzlich unverständlich ist.
Zitat auf den Kommentar, dass 1-jähriges Kind von uns noch keinen Zucker bekommt und die damit einhergehende Unverständnis sämtlicher anwesender Omas:
"Naja, dass du eine schlechte Mutter ist wissen wir ja eh schon lange. **Augenzwinkern** ".
Die Stille am Tisch hätte man aufnehmen müssen. Genial. Unbezahlbar.
Sogar meinem Mann kam ein Grinser aus.
Aber das schlechte-Mama-Sein beginnt ja schon bei der Geburt.
Ich habe ja leider die Angewohnheit, sehr direkt, offen und ehrlich über solch einschneidene Erlebnisse wie eben eine Geburt zu sprechen. Zwar nur nach Aufforderung (ganz ehrlich, vor allen unter kinderlosen Freunden gibt es einfach viel bessere Geschichten), aber trotzdem. Spätestens seit dem letzten ehrlichen Bericht weiß ich: Ehrlichkeit kommt nicht gut an.
Und nein, es ging nicht um Schmerzen, Dammschnitte, Schreie, Blut oder sonstige Späße. Die simple Herausforderung war es, auf die Feststellung: "Hast dich auch ein solches Freuden- und Glücksgefühl durchströmt, als sie dir das Baby dann auf den Bauch gelegt haben?"
Die erwartete Antwort war offenbar:
"Ja, ich hab mich gar nicht eingekriegt vor lauter Glückshormonen und habe in diesem Moment endlich meine Bestimmung gefunden: Mutter zu sein, mein Kind zu nähren und nie wieder etwas anderes zu tun."
Die Wahrheit ist, und somit auch meine Antwort:
"Nein. Ich kann mich erinnern, dass mein Mann in Tränen ausgebrochen ist und ich, eigentlich untypisch unsensibel kommentierte: du weinst ja. "
Der war daraufhin empört und schluchzte vor Glück vor sich hin, während ich meinen Sohn auf meiner Brust liegen hatte und mir eigentlich gar nix dachte. Außer: wie geht das jetzt weiter? Werde ich genäht, wenn ja, wie, mit Narkose, ohne, wie lange muss ich noch hier liegen, eigentlich hab ich Hunger, und Durst, und will in ein richtiges Bett."
Ja, mit solchen Wahrheiten kann kaum einer umgehen. Die Welt erwartet ja quasi, dass man nach der Geburt vor lauter Freude zerspringt. Ich kann jetzt verstehen, dass Frauen die tatsächlich an einer postpartalen Depression leiden, sich nicht trauen, das jemandem anzuvertrauen und sich Hilfe zu holen. Zu hoch ist der Druck, eine "echte Mama" zu sein, und die ist man in den Augen der Gesellschaft halt nur, wenn man vor Glück zerspringt.
Ich hatte keine solche Depression. Ich bin auch nicht eiskalt. Ich konnte nur noch nie etwas mit kleinen Babys anfangen, habe nie verstanden warum man in fremde Kinderwägen reinfasst mit den Worten "ach ist der/die süüüüüüüüüüüüüüß".
Ich liebe meinen Sohn. Seit der ersten Minute. Aber die Wahrheit ist, dass ich die ersten Monate nicht vor Glück zerplatzt bin.
Ich war müde, ich war geschafft, ich war glücklich und zu Tode traurig. Ich habe gelacht, geweint, geflucht, geschrien, alleine auf der Couch geschlafen, nachts in der Küche alleine am Küchenboden gehockt und geweint, und als ich nicht mehr wollte, abgestillt.
So war das.
Ich bin eine schlechte Mutter.
Vorgestern hatte ich meinen exklusiven Sohnemann-und-Mama-Nachmittag. Er spielte selig vor sich hin, lief umher, dazwischen murmelte er Singe vor sich hin, sah mich immer wieder an. Dann kam er auf mich zu umarmte mich, legte seinen Kopf auf meine Schulter und hielt für 5 Sekunden in dieser Position inne. Ich habe ihn ebenso umarmt, ihm einen Kuß auf den Kopf gegeben und geflüstert: "ich hab dich so unendlich lieb und bin so stolz auf dich."
Noch bevor der Satz zu Ende gesprochen war, war er schon wieder auf und davon mit seinen Spielsachen spielen oder die Katze jagen, ich weiß es nicht mehr genau.
Was ich allerdings weiß: mir liefen Tränen die Wange runter und mein Herz ging mir auf.
Diese Liebe ist nicht erklärbar.
Vielleicht haben das manche Mütter bereits bei der Geburt. Vielleicht nach ein paar Wochen, vielleicht erst nach ein paar Jahren.
Fest steht: wir sind alle anders, unsere Empfindungen, unsere Erlebnisse, unsere Ängste, Sorgen und Hoffnungen. Und das ist gut so.
Und ich? Ich bin eine gute, nein, ich bin eine tolle Mutter.
Mein Sohn ist ein glücklicher kleiner Mann, der mit jedem Tag unabhängiger wird und seine Mama damit jeden Tag ein bißchen stolzer.
Ich möchte zum Abschluß einen ganz lieben Kollegen zitieren (war mit drei Kindern in Langzeitkarenz), der vor kurzem meinte:
"Also eigentlich kann man bei Kindern nicht viel falsch machen. Man muss sie einfach nur lieben, aber das tut man im Normalfall ja sowieso."
In diesem Sinn....
Mittwoch, 28. Januar 2015
Kampf der Mütter - Vorsicht! Giftig!
Alter des
Kindes: 8 Monate und ein paar zerquetschte
Status der
Eltern: Vater zu Hause in Karenz, Mutter erwerbstätig
Unser kleiner
ist ja jetzt schon 8 Monate alt. In diesen 8 Monaten konnten wir nicht nur
erfahren was es heißt Eltern in einem scheinbar vollkommen konservativen Land
zu sein, wir dürfen auch tagtäglich den Machtkampf von Eltern bzw. Müttern
miterleben.
Ein Kampf,
der eigentlich nicht gewonnen werden kann und mich nun endgültig zur Rage und
zum Schreiben dieses Beitrages inspiriert hat.
Ich finde ja,
man kann alles übertreiben. Wenn es um die vermeintliche Gesundheit und die
vermeintlich beste Strategie ein Kind aufzuziehen und ihm Bindungsfähigkeit
quasi mitanzueignen geht, sind die Methoden und Ratschläge ja grenzenlos.
Fängt an beim
Stillen. Mittlerweile bin ich ja am Überlegen, eine Gruppe für Mütter, die
NICHT stillen wollen/können/dürfen/sollen zu gründen, damit auch diese endlich
eine eigene Lobby bekommen. Nichts gegen das Stillen an sich. Natürlich ist „es
das Beste für das Kind“ und sowieso und überhaupt. Es liegt mir mehr als fern,
die ganzen Sprüche der Werbung, der diversen Beratungsgruppen, Hebammen und
ÄrztInnen wiederzugeben. Nein. Es ist halt nur so, dass man einfach alles
übertreiben kann. Da wird man als Mutter von giftigen Blicken gestraft und vom
Arzt und überhaupt allen Menschen die glauben sie wüssten es besser, mit riesigen
Augen angegafft und mit Worten gestraft, wenn man auch nur ansatzweise laut
darüber nachdenkt, nach 3-4 Monaten abzustillen.
„Bist du dir
sicher? Aber die Mutter-Kind-Bindung! Und die Gesundheit deines Babys! Es ist
das natürlichste der Welt!“
Wenn man dann
noch offenbart, dass man bereits seit das Baby zwei Wochen alt ist abends ein
Fläschen gibt, damit auch der Vater eine andere Partizipationsrolle hat als nur
Windeln zu wechseln, dann stockt so manchem doch glatt der Atem. Da wird einem
was von Saugverwirrung, Lieblosigkeit und Herzlosigkeit vorgesungen und man
selbst hat Mühe und Not, sich ob der vielen negativen Kommentare noch als
halbwegs gute Mutter zu fühlen.
Nein, tut mir leid, ich korrigiere. In den
Köpfen so mancher Frau hat man ja die „gute Mutter Rolle“ abgelegt, sobald man
nicht mehr stillt, sich einen Kinderwagen zulegt, das Baby ein eigenes Bettchen
bekommt und man sich eine Gehschule zulegt. Warum? Hier ein kleiner Auszug:
Ad
Kinderwagen:
„nur Tragen ist das Beste! Im Kinderwagen fühlt sich dein Baby
doch verlassen. Als würdest du es weglegen…“
Na freilich.
Liebe „Gut-Mütter“: warum schläft mein Kind dann am allerbesten, wenn wir
draußen spazieren gehen und er im Kinderwagen liegt? Warum brüllt er nicht wie
am Spieß herum, wenn ich ihn in den Kinderwagen lege, sondern hat ein Lächeln
auf dem Gesicht, weil er weiß, jetzt wird „geschunkelt und spazieren gegangen“?
Vermutlich, weil er keine andere Chance hat, er muss sich halt damit abfinden,
dass wir ihn einfach weglegen. Armes Kind. Böse Eltern. Und ja, das ist
zynisch.
Ad Abstillen:
„du
verweigerst deinem Kind das Beste und gesündeste!“
„Eigentlich riskierst du die
Gesundheit deines Babys.“
„Stillen bis
das Baby 2-3 Jahre alt ist, ist das einzig wahre.“
Nein, ich bin
keine Stillgegnerin. Ich selbst habe voll gestillt bis mein Sohn 3 Monate alt
war. Dann war‘s genug. Als er vier Monate alt war begann ich wieder zu
arbeiten, und so habe ich das Abstillen sehr langsam über einen Monat
„vollzogen“. Und niemand war unglücklich dabei. Weder mein Sohn noch ich, noch
mein Mann, noch sonst irgendwer, den das irgendwas angehen würde.
Einige meiner
Freundinnen mit Babys haben länger gestillt, teilweise bis das Kind fast zwei
Jahre alt war. Jedoch mit Maß und Ziel. Soll heißen, einmal am Tag, abends, vor
dem Schlafengehen, und gut war’s. Leider gibt es Menschen, die tatsächlich
denken, alle Liebe flöße durch ihre Brüste. Die den ganzen Tag ihrem
zweijährigen Kind quasi unbeschränkten Zugang zu ihren Brüsten gewähren. Wo dann
Sätze wie „Mama, Busen!“ fallen. Tut mir leid, aber ich finde das verstörend.
Es gibt tatsächlich Menschen in meinem näheren Umfeld, deren Brüste ich genauer
kenne als ihre Hobbies.
Ja, ich habe
früh abgestillt, und ehrlicherweise bin ich wirklich froh, meine Brüste wieder
für mich selbst zu haben. Ich bin nämlich mehr als „nur Mama“, ich bin auch
noch eine stinknormale Frau, eine Ehefrau und eine arbeitende Frau, und mein
Leben steht nicht plötzlich auf Stillstand, nur weil wir ein Kind in die Welt gesetzt
haben.
Viele Studien
belegen: „die Zufriedenheit der Mutter ist ausschlaggebend für die
Zufriedenheit ihres Kindes“. Na bitte, da haben wir’s. Seit wann hat denn
„bedingungslose Aufopferung etwas mit Zufriedenheit zu tun?
Ad Schnuller:
„Davon wird
dein Kind Zahnfehlstellungen bekommen.“
„Kinder die
sich an einen Schnuller gewöhnt haben, beginnen später zu sprechen. Die haben
ja ständig etwas im Mund….“
Ich will dazu
gar nicht viel sagen. Nur das eine: wie kann es sein, dass ALLE Kinder meiner
Freundinnen bereits mit eineinhalb Jahren teilweise ganze Sätze sprechen, trotz
Schnuller, und andere Kinder, die weit älter sind, nicht mal „Mama“ sagen
können, obwohl sie nie einen Schnuller bekommen haben. Immer nur Brüste.
Vielleicht hatten die den Mund auch zu voll? Oder aber es wird wieder Mal
Aufmerksamkeit bzw. Liebe geben und totale Selbstaufgabe durch ewiges Stillen
und ständiges Tragen im Tragetuch verwechselt.
Ad Gitterbett:
„Am besten
ist halt einfach das Familienbett. Das Kind also so lange wie möglich bei sich
im Bett schlafen lassen. Sonst fühlt es sich auch einsam und verlassen.“
Ehrlicherweise
nehmen auch wir unser Kind ab und an zu uns ins Bett. In die Mitte. Aber prinzipiell schläft er im eigenen Bett. Und da schläft er
gut. Er schläft dort ein, ohne Probleme, ohne Schreierei und ja, selbstständig.
Ohne davor an der Brust einzuschlafen. Er schläft sogar am besten und
leichtesten ein, wenn man ihn ins Bettchen hineinlegt, einfach nur daneben
sitzt und „da ist“.
Ehrlich, ich
habe nichts dagegen, das Kind im eigenen Schlafzimmer schlafen zu lassen. Aber
Familienbett bis das Kind 6 Jahre alt ist? Echt jetzt? Muss das sein? Geht das
nicht ein bisschen zu weit?
Ich könnte
jetzt noch zahlreiche weitere „Unarten“ anführen, die uns und „Otto-Normalverbraucher-Eltern“
oft unterstellt wird: Gehschule, Brei essen, und vieles mehr.
Aber für
heute reicht’s. Wie gesagt, ich werde jetzt eine Nicht-Still-Gruppe gründen.
Für alle Eltern (nicht nur Mütter), die gerne auch mal ihren Hausverstand
einsetzen, sich nicht durch diverse FanatikerInnen beeinflussen lassen wollen
und sich neben dem Eltern-Sein auch noch eine eigenständige Persönlichkeit
bewahrt haben.
Denn man darf nicht vergessen: Kinder bekommen immer mit, wie es
den Eltern geht, ob es ihnen gut geht, oder ob es ihnen schlecht geht.
Da werfe
ich doch glatt noch eine letzte Frage in den Diskurs: ob man tatsächlich so
happy ist, wenn man sich 100% aufgibt um fürs Kind da zu sein und vergisst,
dass es da noch eine andere Ebene gibt? Nämlich die des Paars-Seins? Des Mensch
seins? Ob man nicht in die Illusion eines vermeintlichen Glücklich-Seins
abrutscht, wenn nebenbei die eigene Partnerschaft flöten geht, weil sich die
Welt nur noch ums Eltern sein dreht und es keinerlei Paar-Sein mehr gibt?
Nein, wir, mein Mann und ich, machen nicht alles richtig, wir machen viele Fehler. Aber das ist ok, denn es
ist menschlich. Die perfekten Eltern gibt es nicht. Und das ist gut so. Denn ein
Mensch sollte auch als Kind schon lernen, dass wir alle Wesen mit Ecken und
Kanten, mit Fehlern und Macken sind. Und dass das gut so ist.
Samstag, 15. November 2014
Mann, Frau, Kind. We are family - yeah!!!
Schließlich und endlich ist er also gekommen. Der Tag der Geburt. Wir waren gelassen, wir haben uns gefreut, alles lief gut und bald schon waren wir zu Hause.
Nichts desto trotz möchte ich an meinen vorigen Post anschließen.
Man kennt sich ja selbst immer am Besten, dennoch dachten während meiner Schwangerschaft 90% der Bekannten sie würden mich besser kennen.
Das Bild, dass die Gesellschaft von Müttern hat, ist offenbar unumstößlich verbunden mit:
- dem dringenden Wunsch, nur noch zu Hause zu sein und sich um das Kind zu kümmern
- wieder in den Arbeitsmarkt zurück zu kehren ist in den ersten paar Jahren einfach nicht vorgesehen und auch nicht von der Mutter gewünscht, da sie:
- vollkommen in der Mutterrolle aufgeht und gar nichts anderes mehr will als 24 Stunden pro Tag für das Baby da zu sein
- Papa war zwar bei der Erzeugung dabei, ist aber als Betreuer des Babys nur in Ausnahmesituationen gern gesehen. Der Großteil der Verantwortung liegt bei der Mutter, und die will das auch so.
- Eine Frau die wieder arbeiten gehen will oder gar andere Hobbies hat und über andere Dinge reden kann als das Baby: mit der stimmt doch irgendwas nicht bzw. leidet das Baby ganz bestimmt sehr darunter. Immerhin hat man als Mutter nichts anderes zu wollen als, jawohl, das Baby aufziehen.
Mag polemisch sein. Ist aber, wie ich die Welt erlebe. Und wehe man spricht als Mutter davon, dass man auch noch etwas anderes sein will, als "Mama". Ganz fataler Fehler. Nur andere weltoffene und ehrliche Mütter verstehen das. Für den Großteil ist es ein No-go solche Wünsche und Bedürfnisse auch nur zu formulieren. Das bewusste Wollen von Familie, Beruf und Paar-Sein wird oftmals gleichgesetzt mit Rabenmutter und Kindesvernachlässigung. Eine (zugegeben ältere Arbeitskollegin, die bald in Pension geht) meinte doch tatsächlich: "Also ich hätte mein Kind ja nicht so im Stich lassen können". Dass es für ein Kind mehrere Bezugspersonen geben kann ja sogar soll, im Besten Fall Mama und Papa und Oma's, das wird ausgeblendet. Sogar der Papa wird mit einer Vehemenz und Konsequenz von den meisten Menschen einfach nicht für voll genommen, dass ich schon geneigt war eine Männerinitiative zum Thema "Gleichberechtigung der Männer in der Kindererziehung/-betreuung" zu gründen.
Mittlerweile lächle ich ja milde. Außer ich habe ein Glas Wein getrunken. Oder zwei. Dann lass ich mich auf Diskussionen ein. Ja, ich bin Mama und trinke Wein!!!!
Und daher gleich der Schwenk zu mir, und ich hoffe, einigen anderen Müttern aus der Seele zu sprechen oder Gleichgesinnte zu finden.
Meine Einstellung zu Kindererziehung, Karenz und mehr hat sich nach der Geburt nicht verändert. Viele waren der Meinung, dass dies passieren muss, also die Veränderung meiner Ansichten, aber sie hatten Unrecht. Sie dachten, dass ich plötzlich nicht mehr gerne arbeiten gehen würde, keine Fort-und Weiterbildungen mehr absolvieren will, sondern sich mein Selbstverständnis um 180 Grad wendet und ich in einer von der österreichisch-konservativen Gesellschaft geprägten Mütterrolle komplett aufgehe: also nur noch Windeln wechseln, füttern, "dudu-dada" sagen und Schlaflieder singen will (kindgerechte, bloß keine "Erwachsenenmusik"). Sie kennen mich eben nicht so gut wie ich mich.
"Wenn das Baby erst mal da ist, willst du gar nicht mehr arbeiten gehen":
Die ehrlich Antwort?
Die ersten 3 Wochen hätte ich ohne meinen Mann nicht überstanden. Ich habe mich erholt, habe gestillt und geschlafen. Er hat gewickelt, mich umsorgt und sich um den Haushalt gekümmert (und zwar ganz, da ich mich ja erholt habe).
Danach war ich allein. Schock. Ich hatte solche Panik davor, und mittlerweile einen Riesenrespekt. Vor allem vor allen AlleinerzieherInnen. Wie macht ihr das????
Dann vergingen 2 weitere Wochen, ich hatte mich an das tagsüber alleine sein mit Baby gewöhnt. Und dann kam sie. Schleichend, obwohl vorhersehbar: die Langeweile.
Natürlich kümmere ich mich gerne um meinen Sohn, natürlich liebe ich meinen Sohn, aber auf diese Langeweile war ich wirklich nicht vorbereitet.
Um den Kreis zu schließen: ich hatte Recht. Ich bin einfach keine von diesen Frauen, die gerne mit Kind zu Hause sitzen und dort voll und ganz in ihrer Rolle als Mutter aufgehen.
Im Gegenteil. Mir fiel die Decke so schnell auf den Kopf, dass ich gar nicht wusste, wie mir geschah.
Trotzdem sehe ich mich als gute Mutter. Ich gestehe es mir ein, dass ich das "nur zu Hause sein" nicht kann. Gleichzeitig möchte ich es gar nicht abwerten, im Gegenteil. Ich habe einen Heidenrespekt vor jeder Frau, die wirklich und ganz zu Hause bleibt und das auch will.
Dennoch: für mich ist es nichts. Ich will und wollte mehr. Für uns klappt die Rollenverteilung andersrum wunderbar. Mein Mann ist seit unser Sohn 4 Monate alt ist zu Hause in Karenz und wird es bis zum 14. Lebensmonat bleiben. Ich arbeite 30 Stunden und habe außerdem noch freiberufliche Projekte auf Laufen. Er genießt die Zeit zu Hause, macht viel im Haus (ja, Hausarbeit. Natürlich. Das war schon vor unserem Kind so), hat den größten Spaß mit unserem Sohn, und wenn er "müde, ausgelaugt und am Ende ist" nach einem langen Tag komme ich gerade von der Arbeit nach Hause und übernehme. Wir sind ein eingespieltes Team. Nie bin ich so gerne nach Hause gekommen, nie hatte ich soviel Geduld, Spaß und Freude an unserem Sohn wie jetzt. Und an den Wochenenden? Da leben wir manchmal "die österreichische Tradition": Mann bastelt am Haus und baut und werkt herum, Frau kümmert sich ums Kind und kocht und putzt. Und wisst ihr was? Ich liebe es!
Nichts desto trotz möchte ich an meinen vorigen Post anschließen.
Man kennt sich ja selbst immer am Besten, dennoch dachten während meiner Schwangerschaft 90% der Bekannten sie würden mich besser kennen.
Das Bild, dass die Gesellschaft von Müttern hat, ist offenbar unumstößlich verbunden mit:
- dem dringenden Wunsch, nur noch zu Hause zu sein und sich um das Kind zu kümmern
- wieder in den Arbeitsmarkt zurück zu kehren ist in den ersten paar Jahren einfach nicht vorgesehen und auch nicht von der Mutter gewünscht, da sie:
- vollkommen in der Mutterrolle aufgeht und gar nichts anderes mehr will als 24 Stunden pro Tag für das Baby da zu sein
- Papa war zwar bei der Erzeugung dabei, ist aber als Betreuer des Babys nur in Ausnahmesituationen gern gesehen. Der Großteil der Verantwortung liegt bei der Mutter, und die will das auch so.
- Eine Frau die wieder arbeiten gehen will oder gar andere Hobbies hat und über andere Dinge reden kann als das Baby: mit der stimmt doch irgendwas nicht bzw. leidet das Baby ganz bestimmt sehr darunter. Immerhin hat man als Mutter nichts anderes zu wollen als, jawohl, das Baby aufziehen.
Mag polemisch sein. Ist aber, wie ich die Welt erlebe. Und wehe man spricht als Mutter davon, dass man auch noch etwas anderes sein will, als "Mama". Ganz fataler Fehler. Nur andere weltoffene und ehrliche Mütter verstehen das. Für den Großteil ist es ein No-go solche Wünsche und Bedürfnisse auch nur zu formulieren. Das bewusste Wollen von Familie, Beruf und Paar-Sein wird oftmals gleichgesetzt mit Rabenmutter und Kindesvernachlässigung. Eine (zugegeben ältere Arbeitskollegin, die bald in Pension geht) meinte doch tatsächlich: "Also ich hätte mein Kind ja nicht so im Stich lassen können". Dass es für ein Kind mehrere Bezugspersonen geben kann ja sogar soll, im Besten Fall Mama und Papa und Oma's, das wird ausgeblendet. Sogar der Papa wird mit einer Vehemenz und Konsequenz von den meisten Menschen einfach nicht für voll genommen, dass ich schon geneigt war eine Männerinitiative zum Thema "Gleichberechtigung der Männer in der Kindererziehung/-betreuung" zu gründen.
Mittlerweile lächle ich ja milde. Außer ich habe ein Glas Wein getrunken. Oder zwei. Dann lass ich mich auf Diskussionen ein. Ja, ich bin Mama und trinke Wein!!!!
Und daher gleich der Schwenk zu mir, und ich hoffe, einigen anderen Müttern aus der Seele zu sprechen oder Gleichgesinnte zu finden.
Meine Einstellung zu Kindererziehung, Karenz und mehr hat sich nach der Geburt nicht verändert. Viele waren der Meinung, dass dies passieren muss, also die Veränderung meiner Ansichten, aber sie hatten Unrecht. Sie dachten, dass ich plötzlich nicht mehr gerne arbeiten gehen würde, keine Fort-und Weiterbildungen mehr absolvieren will, sondern sich mein Selbstverständnis um 180 Grad wendet und ich in einer von der österreichisch-konservativen Gesellschaft geprägten Mütterrolle komplett aufgehe: also nur noch Windeln wechseln, füttern, "dudu-dada" sagen und Schlaflieder singen will (kindgerechte, bloß keine "Erwachsenenmusik"). Sie kennen mich eben nicht so gut wie ich mich.
"Wenn das Baby erst mal da ist, willst du gar nicht mehr arbeiten gehen":
Die ehrlich Antwort?
Die ersten 3 Wochen hätte ich ohne meinen Mann nicht überstanden. Ich habe mich erholt, habe gestillt und geschlafen. Er hat gewickelt, mich umsorgt und sich um den Haushalt gekümmert (und zwar ganz, da ich mich ja erholt habe).
Danach war ich allein. Schock. Ich hatte solche Panik davor, und mittlerweile einen Riesenrespekt. Vor allem vor allen AlleinerzieherInnen. Wie macht ihr das????
Dann vergingen 2 weitere Wochen, ich hatte mich an das tagsüber alleine sein mit Baby gewöhnt. Und dann kam sie. Schleichend, obwohl vorhersehbar: die Langeweile.
Natürlich kümmere ich mich gerne um meinen Sohn, natürlich liebe ich meinen Sohn, aber auf diese Langeweile war ich wirklich nicht vorbereitet.
Um den Kreis zu schließen: ich hatte Recht. Ich bin einfach keine von diesen Frauen, die gerne mit Kind zu Hause sitzen und dort voll und ganz in ihrer Rolle als Mutter aufgehen.
Im Gegenteil. Mir fiel die Decke so schnell auf den Kopf, dass ich gar nicht wusste, wie mir geschah.
Trotzdem sehe ich mich als gute Mutter. Ich gestehe es mir ein, dass ich das "nur zu Hause sein" nicht kann. Gleichzeitig möchte ich es gar nicht abwerten, im Gegenteil. Ich habe einen Heidenrespekt vor jeder Frau, die wirklich und ganz zu Hause bleibt und das auch will.
Dennoch: für mich ist es nichts. Ich will und wollte mehr. Für uns klappt die Rollenverteilung andersrum wunderbar. Mein Mann ist seit unser Sohn 4 Monate alt ist zu Hause in Karenz und wird es bis zum 14. Lebensmonat bleiben. Ich arbeite 30 Stunden und habe außerdem noch freiberufliche Projekte auf Laufen. Er genießt die Zeit zu Hause, macht viel im Haus (ja, Hausarbeit. Natürlich. Das war schon vor unserem Kind so), hat den größten Spaß mit unserem Sohn, und wenn er "müde, ausgelaugt und am Ende ist" nach einem langen Tag komme ich gerade von der Arbeit nach Hause und übernehme. Wir sind ein eingespieltes Team. Nie bin ich so gerne nach Hause gekommen, nie hatte ich soviel Geduld, Spaß und Freude an unserem Sohn wie jetzt. Und an den Wochenenden? Da leben wir manchmal "die österreichische Tradition": Mann bastelt am Haus und baut und werkt herum, Frau kümmert sich ums Kind und kocht und putzt. Und wisst ihr was? Ich liebe es!
Freitag, 25. April 2014
Diskriminierung oder Gleichberechtigung?
In der spannenden Odyssee namens Schwangerschaft durften wir ja in Bezug
auf „Gleichberechtigung“ oder „Diskriminierung“ schon viel erleben. Angefangen
von der Tatsache, dass man als Frau ab dem Beginn des „Outings: ich bin
schwanger“ nicht mehr als volles Mitglied der Gesellschaft gilt, sondern eben
nur noch als diejenige, die das Kind austrägt, über diverse Menschen, die sich
über die Art und Weise wie man sich Kindererziehung teilen will, echauffieren.
Ich erinnere nur an die beliebten Sätze: „Du kannst doch als Mutter dein Kind mit
ein paar Monaten nicht einfach so abgeben!!“ (kam als Reaktion auf die
Karenzzeit meines Mannes), bis hin zu einem Experten der Arbeiterkammer welcher
süffisant meinte: „na wenn Sie unbedingt ein solches Modell wählen wollen….“.
Man hat es nicht einfach.
Mittlerweile ist ein Ende der Schwangerschaft in Sicht, bald ist es
geschafft, aber die Kommentare und Meldungen werden nicht weniger. Außerdem
fallen mir immer öfter „falsche Beteiligungen an der Kindererziehung“ auf, von
denen ich einfach nicht sicher bin, ob sie diese entstehen, weil die Frau die
Kinder nicht loslassen kann und damit dem Mann nicht einmal den Hauch einer
Chance gibt, sich wirklich produktiv einzubinden, oder ob es falsche „Gleichberechtigung“
von Männern ist.
Ein Beispiel.
Mein Cousin. Ein Sohn, 4 Jahre, obwohl seine Frau mehr verdient als er
blieb trotzdem sie 2 Jahre in Karenz zu Hause. Warum? O-Ton mein Cousin: „ich
wollte so gerne in Karenz gehen, aber mein Arbeitgeber meinte, dass ich dann
zwar wieder zurückkehren könnte, aber vermutlich meinen Job nach 2 Monaten
verlieren würde.“
Das seine Frau ihren Job aufgrund der Schwangerschaft verloren hatte,
mit Müh und Not einen neuen fand und der Wunsch nach einem 2. Kind erstmal auf
Eis lag damit man sie nicht wieder aufgrund einer Schwangerschaft kündigen
kann, das beachtet keiner. Schließlich ist sie ja die Mutter. Aber er wäre ja
eh soooo gerne.
Ganz ehrlich? Wenn ich wirklich „soooo gerne“ zu Hause bei meinem Kind
bleiben möchte, dann tue ich es. Wir Frauen sind genau dem selben Risiko
ausgesetzt, unseren Job aufgrund von Kinderbetreuungszeiten zu verlieren, wie
jeder Mann auch. Aber selbst wenn man als Frau mehr verdient, sind unsere Jobs
offenbar nicht so viel wert wie die der Männer.
Anderes Beispiel.
Ein Bekannter. Im Gespräch darüber, dass mein Mann ein knappes Jahr zu
Hause bleiben wird und ich nur zwei Monate meinte dieser: „Das ist ja toll. Ich
wäre ja auch so gerne eine Zeitlang in Karenz gegangen, aber das ging halt
aufgrund meiner Selbständigkeit einfach nicht.“
Resultat: mittlerweile sind es zwei Kinder, an den Wochenende schläft
der gute Herr gepflegt aus, und wenn es um Grenzen setzen bei Kindern geht ist
er eben der „Funfaktor“, die Mama die, die Konsequenzen setzt. Da soll man als
Frau nicht frustriert sein? Ich sage ja immer, sie sollte ihn am Wochenende
beinhart aus dem Bett treten. Dazu fehlt ihr aber die Energie. Ich schätze nach
5 Jahren Kampf gibt man einfach irgendwann auf.
Bei meinem Mann und mir sind die Rahmenbedingungen mittlerweile fast
unwiderruflich fixiert. Die Arbeitgeber wissen Bescheid, die Familie weiß Bescheid,
ein Zurück gibt es nicht mehr, und das ist gut so.
Zuletzt im Krankenhaus wurde wieder versucht uns einzureden, dass nur
die Mutter in den ersten Lebensmonaten wichtig für das Baby ist. Zusätzlich
dazu kam der „Hinweis“: „Sie werden sehen, wenn das Baby mal da ist dann wollen
sie gar nicht mehr arbeiten gehen.“
Gut, ich habe mich ja mittlerweile daran gewöhnt, bereits jetzt, Wochen vor
der Geburt unseres Sohnes, eine Rabenmutter zu sein. In der letzten Zeit bin
ich sogar so weit gekommen, darüber jede Menge Witze zu machen, die übrigens
auch nicht jede/r versteht.
Ich denke, dass sich in Fragen der Kinderbetreuung bzw. der
Kinderbetreuungsmodelle in Österreich nicht sehr viel ändern wird, wenn sich
nicht endlich ein neues Bild im Kopf unserer Gesellschaft durchsetzt. Es gibt
mehr, als nur die Mutter für Kinder. Der Vater spielt eine ebenso wichtige
Rolle. Ausreden wie der Verdienst und der Jobverlust können auf Dauer einfach
nicht gehalten werden! Denn diese Argumente gelten für uns Frauen genauso. Wenn
ich bei meinen Kindern sein will, ich einen aktiven Part von Anfang an
einnehmen will, dann muss ich ohnehin Abstriche machen. Ein Kind bekommen und
dann so tun als würde sich nichts ändern ist nicht nur illusionär sondern fast
schon fahrlässig.
Nicht durch das Reden über „gemeinsam“ werden sich Werte und Ansichten
ändern, nur durch das gemeinsame „TUN“ wird sich auf Dauer die Blockade in den
Köpfen der Menschen lösen.
Längst ist bewiesen, dass ein im Idealfall von Anfang an mehrere (nicht
zuviele!!) Bezugspersonen haben sollte. Im Idealfall sind es mindestens zwei:
Mutter und Vater.
Ist denn das so schwer zu verstehen?
Mittwoch, 2. April 2014
SSW 34: der Moment, an dem man einfach die Schnauze voll hat. Und es nicht ändern kann.
Es mag hart klingen. Es mag auf einige Menschen irritierend wirken. Es
mag für den/die ein oder andere/n vielleicht auch unverständlich sein.
Aber ich bin an einem Punkt angekommen, an dem es einfach nur reicht und
ich nichts daran ändern kann.
Meinetwegen gibt es Frauen, die in den letzten Wochen der Schwangerschaft
tatsächlich glücklich, vor Vorfreude strahlend und voller Energie herumlaufen.
Aber mal ganz ehrlich? Ich habe sie noch nicht getroffen, und um ganz ehrlich
zu sein: ich glaube auch, dass das ein Mythos ist.
Das ganze Gewicht des mittlerweile zu einer wirklich stattlichen Größe
angewachsenen Bauches ist kaum mehr zu ignorieren. Dabei habe ich nicht mal
viel zugenommen! Wenn man jedoch Pensionisten und Pensionistinnen plötzlich
ihren Bewegungsdrang und ihre Möglichkeit, radfahrend Besorgungen machen zu
können neidisch ist, dann wird es bedenklich. Neulich habe ich mich dabei
erwischt, wie ich versonnen einem gut 80-jährigen dabei zugesehen habe, wie er
in Schneckentempo die Straße entlang fährt. Genaugenommen hat er gewackelt,
kein Wunder bei dem Tempo. Aber wenigstens kann er noch Radfahren!
Ich freue mich schon, wenn ich nach dem Abschiedskuss jeden Morgen von
meinem Mann in einem Stück und ohne gröbere Atemausfälle die 15 Treppen zum
Erdgeschoss wieder raufsteigen kann. Momentan grenzt es an ein Wunder, wenn ich
nur eine Pause machen muss.
Gestern wollte ich zu Hause etwas Yoga machen. Ganz einfach, weil das
gute Baby so dermaßen hoch oben liegt, dass es mir nicht nur regelmäßige
Rippenprellungen verpasst sondern ich außerdem den ehrlichen Verdacht hege,
dass meine Rippen langsam aber sicher angeknackst und schließlich verdrängt
werden. Mag vielleicht anatomisch nicht möglich sein. Aber es fühlt sich so an.
Jedenfalls, einige Yogaübungen verhelfen (und das kann ich bestätigen)
dazu, das Baby etwas weiter in das Becken hinab zu senken. Oder zumindest hat
man das Gefühl.
Ich steh also schwer motiviert, nachdem ich 20 Minuten gebraucht hatte,
mich von der Couch zu lösen, da und mache einen auf Yogaatmung und Übung brav
ausführen. Leider habe ich die Rechnung ohne meinen veränderten Schwerpunkt
gemacht. Glaubt mir, eine fallende Schwangere kann man so schnell nicht
auffangen. Und ein schöner Anblick war es obendrein auch nicht, mal abgesehen
von meinen Flüchen und dem Heulkrampf.
Ja, ich heule momentan viel rum, und ich stehe dazu. Da ging es nun
einige Zeit bergauf, alles war halbwegs fein, ruhig und ausgeglichen, und dann
das.
Zuerst der Energieverlust, dann der Appetitrückgang, dann der Magen-Darm-Infekt,
dazu das „nicht-mehr-schlafen-können“ und dann auch noch eine undefinierbare
Zahnfleischentzündung.
Überall starren einen die Menschen an als würde man sofort und auf der
Stelle in aller Öffentlichkeit entbinden, und man selbst muss einsehen, dass
nun, im Endspurt, auch die weitesten T-Shirts nicht mehr über den Bauch
reichen.
Mittlerweile bin ich sogar auf die Schwester meines Mannes eifersüchtig!
Die kann immerhin bei irgend so einem Charitylauf mitmachen. Wenn gleich
mitmachen in ihrem Fall wirklich fragwürdig ist, beträgt ihr Laufpensum maximal
2 km in 45 Minuten, aber ja, selbst das würde mir schon reichen.
Würde ich da mitmachen, würde ich 1. Für Verwunderung und Gelächter
sorgen und 2. Wirklich die allerletzte im Ziel sein. Selbst spazieren gehen
macht keinen Spaß mehr, wenn einen wirklich alles überholt.
Der Gipfel ist, dass selbst die Katze mittlerweile einen Riesenbogen um
meinen Bauch macht. Er scheint ihr nun endgültig unheimlich zu sein.
Und jede Frau die behauptet, diese Zeit sei „magisch“, soll mir mal
erklären, was an der Tatsache, dass ich meine Fußspitzen nicht mehr sehen kann,
baden wirklich nur mit Handy am Wannenrand um notfalls „Rettet die Wale“
alarmieren zu können und der Unfähigkeit, irgendwelche hinuntergefallenen Gestände
noch problemlos aufheben zu können, schön sein soll.
Und wenn ich noch ein einziges Mal den Satz „wenn da Baby da ist, ist
alles vergessen“ hören sollte, dann starte ich einen Amoklauf! Vermutlich sehr
langsam, aber der Wille zählt, nicht wahr?
Montag, 17. März 2014
SSW 28: Andere Frauen…
Es ist nun wirklich kein Geheimnis: ich bin kein besondern großer Fan von Frauen, und
andere Frauen auch nicht von mir. Ich will damit nicht sagen, dass ich
Freundschaften zum weiblichen Teil der Bevölkerung von vornherein ausschließe.
Gar nicht.
Doch leider musste ich schon viele Enttäuschungen auf dem Gebiet der
Frauenfreundschaften aushalten, außerdem nerven mich das Herumgezicke, die
gegenseitige Eifersucht und allen voran die Unehrlichkeit, das „hintenrum“, einfach gewaltig. Wobei man natürlich nichts pauschalisieren kann. Es gibt immer wieder Ausnahmen!
Generell halte ich es jedoch lieber wie die Männer: gerade heraus, ohne
Umschweife, auch mal „zu hart“ wenn man will, aber zumindest weiß jede und
jeder, woran er/sie ist. Das ist im übrigen auch der Grund, warum man mich in der
Frauenwelt nicht besonders mag. Und auch sensible Männer reagieren gerne mal verstört auf meine Art. Wie auch immer habe ich gelernt, damit umzugehen,
und es stört mich auch nicht weiter.
In einer Schwangerschaft steht man jedoch vor der Herausforderung, in
allen angebotenen Kursen sowie bei allen Infoabenden fast ausschließlich mit
Frauen konfrontiert zu sein. Das war auch der Grund, warum ich es bis zuletzt
vermieden hatte, irgendwelche (unnötigen) Kurse zu besuchen (ganz ehrlich:
„Wehensingen“? Man nenne mich unaufgeschlossen, aber irgendwo geht’s dann zu
weit…“). Ganz vermeiden lässt es sich dann aber nicht, zumal ich ja mir und dem
ungeborenen Kind was Gutes tun will, und die Heimyoga-DVD dann letztendlich
doch nur zur Zierde herumliegt.
Überraschenderweise durfte ich feststellen, dass
der von mir lange recherchierte und mit Sorgfalt ausgewählte "Yogakurs für Schwangere" durchaus von tollen Frauen besucht wird. Zumindest habe ich
nicht das Gefühl, das mein Bauchumfang in jeder Übungseinheit genauestens
begutachtet wird, so auf die Art: hat sie viel zugenommen? Ist mein Bauch
größer/kleiner/schöner/runder?
Wie komme ich darauf, dass das überhaupt passieren könnte? Nun ja. Wie ich feststellen durfte, braucht es für eben derartige Kommentare nicht
mal einen Kurs mit anderen Schwangeren. Nein, es reicht unbedacht zu einem
Seminar zu schlendern und auf halbem Weg eine „Kollegin“ zu treffen. Das Ganze hat sich in etwa zu zugetragen:
Sie: „Hallo du, wie geht’s dir denn? Alles fit?“
Ich: „Danke, geht sehr gut.“
Sie (auf meinen Bauch starrend): „Sag, wie weit bist du denn jetzt?“
Ich: „28. Woche.“
Sie (Augen aufreißend): „Na bumm, DAFÜR hast du aber schon einen
Riesenbauch!!! Wahnsinn!“
Ich: „ … „
Ja, richtig. Stille. Ich, die normalerweise für schlagfertige Kommentare
berühmt berüchtigt ist war baff. Was soll ich sagen, die Schwangerschaft verlangsamt
mich. Ich starrte also auf meinen Bauch, starrte sie an, und murmelte irgendwas
von „äh, räusper, grummel,…“. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich nicht in Tränen ausgebrochen bin. Leider hatte mich die Gute auch noch an einem schlechten Tag erwischt. Einem, an dem ich sowieso zartbehäutet wie ein frisch geschlüpftes Kücken war.
Nichts desto trotz spielte sich in meinem Kopf die nächsten 10 Minuten und dann noch den
restlichen Abend das Folgende ab, und ich möchte im Vorhinein warnen: die
Schwangerschaft führt bei mir zu ausgeprägten Gewaltfantasien und Gehässigkeiten.
Reaktion Szenario 1: „na Gott sei Dank kenne ich eine Expertin wie dich,
die genau weiß, wie eine Frau in welchem Stadium der Schwangerschaft auszusehen
hat!“
Reaktion Szenario 2: „Ich weiß, das wirkt so bei mir, weil ich vor der
Schwangerschaft immer einen so beneidenswert flachen Bauch hatte.“
Reaktion Szenario 3: gestreckte Faust mitten ins Gesicht der
Betroffenen. „Deine Nase blutet aber ganz schön dafür, dass das nur der Schlag
einer Schwangeren war.“
Reaktion Szenario 4: gestreckte Faust ins Gesicht. „Tut mir leid, auf
Dummheit reagiere ich immer mit roher Gewalt.“
Nun ja, vor lauter Empörung sms-te ich diese Frechheit an meinen Mann
und meine beste Freundin.
Reaktion Mann: „Ned aufregen babe! Ignorieren, lächeln, Arschloch
denken. Love you and your sexy Bauch.“
Reaktion beste Freundin: „Blöde Kuh. Wenn du mir sagst wo sie wohnt lauere ich ihr auf und geb ich eine auf die Nuss.“
Zumindest haben mich die beiden Reaktionen ein bisschen beruhigt. Der
Vollständigkeit halber habe ich dann auch noch meine Mutter angerufen, um ihr
mein Leid zu klagen (wenn mir eine meines Erachtens nach Ungerechtigkeit
widerfährt, muss ich das möglichst vielen Menschen mitteilen). Die lachte doch
tatsächlich ins Telefon hinein. Laut und schallend. Ich war irritiert und
fragte verwirrt nach, was denn daran bitte so lustig sei, habe diese unmögliche
Person mich doch auf äußerste beleidigt. Meine Mutter meinte nur ganz gelassen:
„Ist nur gut zu wissen, dass sich in mancher Hinsicht die Zeiten nicht
ändern. Andere Frauen wissen es immer besser, und ich weiß nicht, wer schlimmer
ist. Die, die Kinder haben, oder die kinderlosen. Zu mir kam 2 Wochen nach der
Geburt eine entfernte Tante, musterte mich von oben bis unten und meinte
trocken: „Der Arsch bleibt dir“. Und sie meinte mein Hinterteil. Kindchen, über
solch blöden Kommentaren musst du drüber stehen. Lass dir ein dickes Fell
wachsen, die Ratschläge und die Vorgaben wie du auszusehen hast werden noch
schlimmer werden. Warte mal, bis sich die ersten in deine Erziehung einmischen.
Da musst du entspannt drüber stehen. Und es gibt keine Faustregel wie groß ein
Bauch zu sein hat. Bei dir hatte ich am Ende einen Bauchumfang von 110cm, und 4
Wochen nach der Geburt hatte ich mein Ausgangsgewicht wieder. Lass die Leute
reden.“
Und das ist der feine Unterschied zwischen Männern und Frauen: ich habe ja die Erfahrung gemacht, dass die Kommentare mancher Männer zu
schwangeren Frauen zumeist von Unwissen und dummen Klischees geprägt sind, die
man gut entkräften kann.
Frauen hingegen sind gehässig.
Eine Bekannte meinte mal auf meine Schilderung, dass mein Mann in Karenz
gehen würde:
„Aja, ich habe ein Freundin, die dachte auch, dass das eine gute Idee
wäre wenn ihr Mann daheim bliebe. Brauchst nicht glauben, die ganze Arbeit
bleibt an ihr hängen. Also stell dich schon darauf ein, dass dein Mann dir alles
übrig lässt. Ich für meinen Teil hätte ja meine Kinder niemals jemand anderem
überlassen können, da hätte ich mich wie eine Rabenmutter gefühlt.“
Danke auch. An diesem Tag war ich jedoch gut in Fahrt und noch nicht
schwangerschaftsbedingt verlangsamt in meinen Gedanken und gab ihr Konter:
„Du hättest auch die Möglichkeit nicht gehabt, immerhin hat dich dein
Mann nach der Geburt des ersten Kindes sitzen lassen und beim zweiten hat er
sogar einen Vaterschaftstest verlangt. Du hättest deine Kinder gar niemand
anderem geben können. Aja, und zur Info mussten mein Mann und ich über
Aufteilung des Haushalts nie diskutieren, weil wir das von vornherein ohne
etwas auszumachen so gemacht haben. Das ist bei uns kein Thema, nicht mal im
Streit. Also….“
Ja, ich gebe zu, das war gemein und unter der Gürtellinie. Aber warum
sollte man auf wirklich unqualifizierte und zumeist von Neid geprägte Aussagen
nicht auch mal spontan gemein antworten dürfen? Ich muss mich ja auch wehren!
Außerdem verteidige ich meinen Mann gerne. Immerhin hat man selten solch ein
Glück mit einem männlichen Exemplar. Das muss auch mal gesagt werden.
Diese Bekannte kommentierte Wochen später süffisant meine Erzählung,
dass ich von einer Freundin einen total günstigen gebrauchten Fläschenwärmer
erhalten habe:
„Ach so, du brauchst das ja vermutlich, weil du wieder arbeiten gehen
willst und das Kind beim Vater lassen musst. Ich habe ja NIE Fläschen
gebraucht….“
Unnötig zu erwähnen, dass sich diese Bekanntschaft fürs erste erledigt
hat.
Mittwoch, 12. März 2014
(Un-)freiwilliger Verzicht auf Alkohol oder „alkoholfreier Wein ist KEIN Traubensaft"
Mein Mann hat Geburtstag und feiert mit einer Jamsession/Party. Men only
versteht sich. Ort des Vergnügens ist unser Keller mit Bandraum. Prinzipiell
freue ich mich für ihn. Monatelang, fast jahrelang versucht er vergebens die
Jungs zu so einem Treffen zu bewegen, aber an irgendetwas scheiterte es bisher
immer.
Wenn man mal die 30 überschritten hat, gibt es schnell mal eine Ausrede:
„ich habe an dem Freitag davor eine Zahn-OP und werde mich am Wochenende davon
erholen müssen.“, „Meine Freundin hat an dem Abend endlich mal keinen
Nachtdienst.“, „Ich muss SO früh raus, da ich eine Skitour gehe…“. Die paar
Jungs, die jünger als 30 sind, erfinden gar keine Ausreden sondern melden sich
gleich gar nicht. Und wenn doch, haben sie besseres vor. „Da ist aber die
2-Euro-Party in …“.
Wie gesagt prinzipiell. Ganz brave Ehefrau sollte ich besonnen hier oben
sitzen und ihm viel Spaß wünschen.
Ich habe es auch ehrlich versucht. Spätestens um 17 Uhr, als er bereits
mit 4 Bier intus und stark nach Zigaretten duftend rauf kam, um nach mir zu
sehen, war’s vorbei. Ich war gerade dabei, eine Atemübung zu machen, da ich
dank der 28. Woche meiner Schwangerschaft immer öfter an unbequemer Atemnot
leide. Der Fernseher auf volle Lautstärke aufgedreht, um das Gedudel und
„Gejame“ der „Band“ zumindest etwas ausblenden zu können, steht der Hausherr
plötzlich vor mir mit den Worten:
„Hört man die Musik eh nicht zu laut?“
„Es geht...“ versichere ich, und alles was ich mir denke, als er wieder
in die Tiefen des Hauses entschwindet ist: Himmel, was bin ich neidisch. Will
auch Bier trinkend und Zigaretten rauchend auf einer Party herumsitzen, mit dem
einzigen Gedanken an den morgigen Kater. Nicht an Kurzatmigkeit, Sodbrennen und
Verspannungen im Rückenbereich denken.
Ich vermisse es, das unbeschwerte Leben,
mit allen Möglichkeiten des Genusses. Ja, jetzt ist es raus. Am Anfang der
Schwangerschaft konnten Alkohol und Zigaretten gar nicht weit genug weg von mir
sein, doch das Blatt hat sich gewendet. Ich gebe es ehrlich zu: ich vermisse
mein Achterl Weißwein am Abend, meine Genusszigarette nach dem Essen und das
sorgenfreie herumlungern in lauten, stickigen Lokalen, ohne das einem ein
Ungeborenes in die Eingeweide tritt.
In meiner Verzweiflung hatte ich mir vor Weihnachten sogar alkoholfreien
Wein im Internet bestellt. Sauteuer das Zeug, und weit von Traubensaft
entfernt. Der Alkohol des Weines wird auf irgendeine mir total egale Art und
Weise aus dem Wein gefiltert. Das Ergebnis ist gar nicht mal schlecht. Aber
natürlich trotz allem nur ein kleines Überbrückungspflaster. Was freue ich mich
auf meinen Geburtstag, der nach der Geburt unseres Sohnes sein wird! Ich weiß
jetzt schon, welchen Wein ich trinken werde, und ich kann es kaum erwarten.
In der Zwischenzeit kämpfe ich mich durch das Hauptabendprogramm, höre
die Jungs lachen, stell mir ihre glücklichen, Bier-trinkenden Gesichter vor und
schwöre mir: wehe, wenn ich wieder unschwanger bin! Dann gibt’s eine Party, die
sich gewaschen hat. Da können die Jungs sich dann hinten anstellen! So schaut’s
aus!
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